Premiere am 15. Oktober 2010 im Güterbahnhof!
Regie: Berit Sliwinski
Es spielen: Tobias Sailer als Checker, Tom Schröpfer als Itai, Felix Lübkemann als Kuckuck, Kiana Ghaffarizad als Bjuti
Bühne: Janis E. Müller
Sounddesign: David Black
Licht und Ton: N.N.
Produktionsmanagement: Anna Michel, Michel Büch
Das Stück
Vier Todgeweihte treiben auf einem Floß dem Ort Xanten entgegen - der einzig gebliebenen Hoffnung auf Leben.
Wir befinden uns in ferner Zukunft. Von einer globalen Katastrophe heimgesucht, muss sich die Menschheit im Jahre 2050 in kleinen Zonen von der Umwelt abschotten und zum Schutz der Gesellschaft strenge Regeln befolgen. Auflehnung wird mit Verbannung ins Unbewohnbare bestraft; ein Schicksal, das Checker, Itai, Kuckuck und Bjuti miteinander teilen. Welche Wirkung kann eine zerstörte Umwelt auf die Psyche eines Menschen haben? Hier ist es die diffuse Angst, die sich über totale Verunsicherung ausbreitet. Die Luft zum Atmen, der Boden, den ich betrete, das Wasser, das ich trinke, sogar das Berühren anderer Menschen - nichts ist mehr sicher.
Die zeitliche Distanz zu unserer heutigen Welt signalisiert Harald Mueller vor allem durch die Sprache, eine Mischform aus Chemiekürzeln, Amerikanisch, Russisch, Punkslang oder Afrikaans. Sie ist brutal, hässlich und vulgär. Einen scharfen Kontrast zu dieser Sprache bildet Bjuti, die lyrische Sätze aus dem Kanon der Weltliteratur zitiert. Diese benutzt sie zwar beinahe autosuggestiv - vor allem als Flucht vor der Realität. Den anderen Figuren führt sie damit jedoch gleichzeitig den erlittenen Verlust vor Augen und konfrontiert sie mit ihrer Gefühlsarmut und mangelnden Empathiefähigkeit. Trotz des düsteren Themas behält das Stück durch tragikkomische Elemente eine gewisse Leichtigkeit, die die Schwere der Lage eher im Hinterkopf des Zuschauers vertieft.
Totenfloß wurde am 16.10.1986 von drei Bühnen gleichzeitig uraufgeführt: am Baseler Theater, am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Staatstheater Stuttgart.
Der Autor
Harald Mueller. Geboren 1934 in Memel, Mittlere Reife, danach verschiedene Jobs; unter Tage, als Hafenarbeiter, Hotelboy und Telefonist. Besuch der Schauspielschule in München, Engagement im Theater und Fernsehen. Seit 1962 freier Schriftsteller; Theaterstücke, Hörspiele, Fernsehspiele, Drehbücher und Übersetzungen. Er lebt in Berlin und auf Sylt.
Aufführunstermine
15./16./17. // 20./21./22.. + 25./26. Oktober 2010
im Güterbahnhof (Tor 48)
Tickets an der Abendkasse