Pressespiegel zu unseren bisherigen Aktivitäten

Weser Kurier, 24.09.2009, von Ming Li

 

Liebe, Sehnsucht, Schwermut

 

Buntentor. Liebe, Sehnsucht, Schwermut – aus diesen Zutaten hat das Alsomirschmeckts!-Theater sein neuestes Stück zubereitet. „Melancholie“ bewegt sich laut Regisseur Michel Büch aus Findorff zwischen Farce und Tragik und kommt mit einer ungewöhnlichen Erzähl-Technik, viel Poesie und Live-Musik daher.

 

Ein lasziver Frauenmund mit einer Mandel zwischen den Zähnen – mit diesem Bild kündigt das Alsomirschmeckts!-Theater das neue Stück an. Was es mit der Mandel auf sich hat, wird am Ende der Aufführung aufgeklärt, doch ähnlich wie beim Mandelgewächs verspricht „Melancholie“ eine bittersüße Geschichte zu werden.

 

Laut Michel Büch ist die Grundstimmung des Stücks mit dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ von Jean-Pierre Jeunet zu vergleichen: durchzogen von einer fröhlichen Traurigkeit. Die Hauptfigur Tilly fasziniere und verwirre mit ihrem Charme vier Mitmenschen. Dadurch gerate alles aus den Fugen, erklärt Büch die einfache Handlung des Stücks. Dennoch beschäftige man sich mit tiefer gehenden Fragen. „Kann Liebe auf eine Person gerichtet sein und die Ganzheit der Person erfassen? Was passiert, wenn du die Person nicht kriegen kannst, wenn du klammerst wie blöde?“, führt der Regisseur Beispiele an.

 

Auch die Hauptemotion des Theaterstücks, die Melancholie, wird in dem Werk näher beleuchtet. Dabei gilt es, mit Vorurteilen aufzuräumen. Melancholie werde heutzutage leicht mit der Depression verwechselt, sagt Michel Büch. „Eigentlich ist Melancholie aber eine Emotion, die sehr kreativ und künstlerisch ist. Und in diesem Stück ist sie sogar erotisch.“ Hauptfigur Tilly überspielt ihre Melancholie nicht, sondern zelebriert ihre Emotionen. Das übt einen faszinierenden Charme auf die anderen Protagonisten aus, die sich teilweise in Tilly wiedererkennen.

 

Das Stück zeigt, wie Tillys egozentrisches, rücksichtsloses Verhalten einerseits und ihre Fähigkeit, sich über kleine Dinge zu freuen und ihre Gefühle in Gedichte zu bündeln, auf der anderen Seite das Leben und Denken der anderen Figuren beeinflusst. Und der Zuschauer erlebt, was passiert, wenn Tilly sich verliebt und ihren melancholischen Charakterzug ablegt.


„Melancholie“ stammt aus der Feder der Amerikanerin Sarah Ruhl, die mit dem Stück auch europäische und amerikanische Gegensätze aufzeigen möchte. „Der europäischen Melancholie wird die amerikanische Mentalität gegenübergestellt, die fröhlich und optimistisch ist“, erklärt Michel Büch.

 

Sarah Ruhl, Jahrgang 74, sei derzeit eine sehr erfolgreiche und beliebt „Off-Broadway-Autorin“ und beschäftige sich mit Themen wie Verantwortung und Schuld, ohne plakativ zu sein, so Büch, der an dem Projekt bereits seit zwei Jahren feilt. In Neuseeland stieß Büch auf das Erstlingswerk der Autorin und war so begeistert davon, dass er sich entschloss, das Drehbuch zu übersetzen und die Regie der ersten deutschen Inszenierung von „Melancholie“ zu übernehmen.

 

An dem Werk habe ihn vor allem die Mischung unterschiedlicher Darstellungsformen gereizt, sagt der Jungregisseur: „Es hat krass blöde Komik, alberne Momente, es ist geschrieben als Farce, hat aber auch unglaublich tragische Momente.“ Außergewöhnlich sei vor allem die Erzählstruktur, findet Büch. Das Stück sei wie ein langes Gedicht aufbereitet. „Es gibt sehr viel Musik, die die emotionale Ebene unterstreicht“, so Büch. Die Kompositionen stammten von Ole Schmitt aus der Neustadt und würden von Diana Pastor aus dem Steintor live auf der Bühne mit einem Cello vorgetragen.

Die Theatergruppe Alsomirschmeckts! wurde im vergangenen Jahr gegründet und trat mit „Fette Männer im Rock“ und „Drei Mal Leben“ auch schon in Hildesheim und Lehrte auf.

Lehrter Anzeiger, 20.10.2008, von Katja Eggers

 

Ein Treffen wird zum Albtraum

 

Theater im Kino: Bremer Ensemble spielt Tragikomödie von Yasmina Reza

 

Es ist eine gelungene Aufführung vor viel zu kleinem Publikum gewesen: Das Alsomirschmeckts!-Theater aus Bremen hat am Sonntagabend im Anderen Kino das Stück „Drei mal Leben“ von Yasmina Reza gezeigt.

 

Lehrte. Wenn der Besuch früher vor der Tür steht, sind Konflikte programmiert. Auf der Bühne des Anderen Kinos entspinnt sich aus der chaotischen Situation allerdings ein grotesker Albtraum. Bei Astrophysiker Henri und seiner Frau Sonja tauchen überraschend Henris potenzieller Förderer Hubert und Gattin Ines auf. Gegenseitige Ablehnung bleibt zunächst hinter gesellschaftlichen Konventionen verborgen, bricht dann aber offen hervor.

 

Die vier Schauspieler des Alsomirschmeckts!-Theaters brauchen kein aufwendiges Bühnenbild um das Szenario um Konkurrenz und Karrierestreben, Macht und Erniedrigung zu entwickeln. Vier Sitzelemente und ein Tisch reichen aus. Das Stück lebt von den Dialogen und der Wiederholung: Yasmina Reza lässt den chaotischen Abend dreimal hintereinander ablaufen – jedes Mal in einer anderen Konstellation. In der ersten Variante stehen Sonjas und Henris Gerangel um Fragen der Kindererziehung und Henris Gejammer über sich selbst als Versager im Vordergrund. Im zweiten Teil brechen Henri und Ines nach exzessivem Alkoholgenuss lallend am Boden zusammen. Auch die dritte Version endet tragisch.

 

Die vier jungen Akteure beweisen in dem 90-minütigen, ohne Pause gespielten Stück erstaunliche Wandlungsfähigkeit: Ole Schmitt brilliert sowohl anfangs als unterdrückter Ehemann, dann als schimpfender Zyniker. Sarah Schöneich gibt großartig die dominante, wortgewandte Keifziege. Julia Hajek glänzt als aufgetakelte Zicke und Felix Lübkemann als überheblich arroganter Schönling.

Download
Der Originalartikel als PDF zum Download
Ein Treffen wird zum Albtraum_Lehrter An
Adobe Acrobat Dokument [1.3 MB]
Download | Anzeigen

Weser Kurier, 29.09.08, von Cu Celensü

 

Zwischen Hobby und Professionalität

 

Theatergruppe Alsomirschmeckts! hat am Mittwoch Premiere mit neuem Stück

 

Neustadt. Wer den Satz "Also mir schmeckt’s!" in einem Wort in eine Internet-Suchmaschine eingibt, bekommt als ersten Treffer die Homepage der gleichnamigen Theatertruppe - ein Erfolg, von dem andere nur träumen. Aber eigentlich auch kein Wunder bei dem ungewöhnlichen Namen. Der "Verbund freier Kunst- und Kulturschaffender", wie sich die Gruppe selbst bezeichnet, probt derzeit am zweiten Stück "Drei Mal Leben", das ab Mittwoch aufgeführt werden soll.


"Mit unserem Namen wollten wir ein Stück Selbstbewusstsein transportieren", erzählt Michel Büch, Mitbegründer und Vorstandsmitglied von Alsomirschmeckts! e.V.. "Außerdem ist er so lang und absurd, dass es schon wieder lustig ist." Erst seit Beginn des Jahres gibt es die Gruppe von Kunst-, Lehramts- und Kulturwissenschaftsstudenten oder auch Angestellten, die vor allem eines gemeinsam haben: die Liebe zum Theater.


Die Idee, eine freie Theatergruppe zu gründen, hatten Michel Büch und Silvan Stephan aus der Neustadt, als sie sich in einer Theatergruppe der Uni Bremen kennen lernten. "Wir hatten Lust, ein eigenes Stück auf die Bühne zu bringen", sagt Büch, "so entstand ’Fette Männer im Rock’, eine Groteske mit einer satten Portion Gesellschaftskritik." Schnell wurde klar, dass noch mehr Leute in Bremen Bedarf an einer Art Schwellen-Theater haben, "also einer Gruppe zwischen Hobby und Professionalität", die ganz frei von Auflagen arbeitet.


Und tatsächlich haben einige mehrere Jahre Schauspielerfahrung auf dem Buckel. So beispielsweise Vorstandsmitglied Christian Psioda, der seit nunmehr 15 Jahren auf der Bühne steht. "Jetzt entdecke ich meine Leidenschaft für die Regie", sagt der 28-Jährige, der ebenfalls in der Neustadt lebt.


Wie man zwischen Arbeit und Studium noch ganze Theaterstücke auf die Bühne bringen kann, erklärt Büch so: "Wir proben sehr komprimiert in den Semesterferien, dann aber auch täglich, sieben, acht Wochen lang. So können auch einige aus anderen Städten mitmachen." Und überhaupt sehen sie sich nicht als festes Ensemble, sondern mehr als Netzwerk: "Wir wollen Raum schaffen für Profis und Anfänger, die Lust haben, mitzumachen." Das Netzwerk funktioniert auch deshalb, weil die einzelnen Mitglieder unterschiedliche Dinge können: Eine studiert Kunst mit Schwerpunkt Bühnenbau und macht das Bühnenbild, ein anderer hat Erfahrung im Eventmanagement. "Es ist ein schönes Geben und Nehmen", meint Psioda.

Derzeit probt das Alsomirschmeckts!-Theater an dem Stück "Drei Mal Leben" der französischen Schriftstellerin Yasmina Reza. Drei Versionen eines Abends sind zu sehen, Variationen von Interaktion unter Eheleuten, Chef und Angestelltem - doch alle Versionen scheitern. "Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen und darum, wie Menschen versuchen, Macht innerhalb dieser Beziehungen zu erlangen", erzählt Psioda.


"Drei Mal Leben" wird am Mittwoch, 1. Oktober, im Schnürschuhtheater aufgeführt, dem Theater, das die Truppe auch beim ersten Stück unterstützt hat. Für die Proben nutzen sie den Theatersaal der Uni Bremen. Irgendwann wollen sie jedoch eine eigene Bühne haben, um eine weitere Idee zu realisieren: "Ein Theaterstück verbunden mit einer Ausstellung, das fände ich total spannend", sagt Psioda.

Download
Der Originalartikel als PDF zum Download
Zwischen Hobby und Professionalität-Wese
Adobe Acrobat Dokument [1.8 MB]
Download | Anzeigen

Hildesheimer Anzeiger, 03.04.08, von Tanja Graves

 

Kannibalen in Gucci-Schuhen

 

Ein grausig-komisches Stück: Theatergruppe aus Bremen spielte „Fette Männer im Rock“ in der Kulturfabrik

 

Hildesheim. „Fette Männer im Rock ist rotzig, ekelhaft und fürchterlich amüsant.“ So verspricht es das Programmheft. Schon vor dem Auftritt des Bremer „Alsomirschmeckts!-Theaters“ droht es mit den grausigen Szenen einer makabren Komödie. Für die Protagonisten Grund genug, sich über die vielen Zuschauer zu wundern, die stoisch dem mutmaßlichen Gemetzel entgegensehen. Doch soll die Ankündigung Recht behalten?

 

Nicky Silvers Stück über eine Familie, deren Mutter und Sohn nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel stranden, während der Vater sich zu Hause mit einer Ex-Pornodarstellerin vergnügt, beginnt noch recht harmlos. Ein bisschen nerviges Gezicke der Highclass-Mutter, die sich über den Sand in ihren Gucci-Schuhen beschwert. Ein bisschen hilfloses Gestotter des unterdrückten Jungen, der nur an Katherine Hepburn und ans Essen denken kann. Bis der erste makabre Satz fällt: „Schneid doch der toten Nonne den Arm ab, ich bereite ihn zum Abendessen.“ Da beginnt der grausig-komische Reigen.

 

Wenn Bishop (Christian Psioda), vom stotternden Jungen zum stahlharten Jäger mit vulgärem Gehabe greift, seine Mutter als „Mistgurke“ und „Hohlbirne“ bezeichnet, ist das zweifellos rotzig. Und auch der Ekel lässt nicht lange auf sich warten. Die Protagonisten setzen Inzest und Kannibalismus so eindringlich um, dass es am Ende nicht nur Vater Howard (Silvan Stephan) würgt.

 

„Fürchterlich amüsant“ ist das Ganze sicherlich auch. Stellenweise. Und doch fehlt es dem Stück an Tempo. Die Dialoge drehen sich immer wieder im Kreis. Satzwiederholungen, die eine eigene Komik erzeugen könnten, wirken eher nervenaufreibend. Besonders Sarah Stallner in der Rolle der Mutter Phyllis treibt deren manieriertes Gehabe, geziertes Lispeln und kindisches Jammern in der steten Wiederholung bis an die Schmerzgrenze. Johanna Ahlrichs als Ex-Porno-Queen Pam mit ihrer naiven Komik steht Silvan Stephan als hilflos-egoistischer Vater Howard gegenüber.

 

In der insgesamt guten, aber langatmigen Inszenierung des freien Ensembles, das sich selber an der Schwelle zwischen Studenten- und Profitheater sieht, sticht Christian Psioda als Bishop hervor. Zu Anfang als Junge mit pausenlos ringenden Händen, zitternden Knien und schiefem Kopf. Sein Stottern wirkt echt, die dabei krampfhaft verdrehten Augen schaffen es, beim Klang von Katherine Hepburns Namen plötzlich aufzuleuchten. Noch gekonnter ist die Verwandlung zu den psychischen Abgründen des kannibalischen Jägers. Wenn er munter nach der Barbecuesauce zum Menschensandwich verlangt, ist das beides: fürchterlich und amüsant zugleich.

Download
Der Originalartikel als PDF zum Download
Kannibalen in Gucci-Schuhen_Hildesheimer
Adobe Acrobat Dokument [1.4 MB]
Download | Anzeigen